Mein Tag bei Migflug mit der L-39 Albatros "OK-JET"

Am Samstag den 22. Juni 2013 sind wir um 6 Uhr bei Dauerregen von Rosenheim aus in Richtung Pilsen/ Líně in der Tschechischen Republik losgefahren und meine Sorge, dass ich den Flug heute nicht antreten kann war daher doch sehr groß. Je näher wir Pilsen kamen umso mehr machte der Himmel auf. Als wir in Pilsen an der Homebase des zweisitzigen Luft-Boden Kampfjets Aero L-39C Albatros "OK-JET" vom Czech Jet Team angekommen waren, hatten wir ein traumhaftes Wetter. Pünktlich um 10 Uhr wurden wir von Pavel am Eingang der Airbase abgeholt und fuhren ca. 5min zum Hangar der L-39. Nach einer kurzen Begrüßung ging es in den Briefingraum; dort bekam ich als erstes meinen Fliegerkombi.
Ein ehemaliger Mig Pilot der Tschechischen Luftwaffe hat mich für den Flug vorbereitet: Einweisung in den Schleudersitz, Sauerstoffversorgung im Notfall, Verfahren für Verlust der Sprechverbindung zwischen Pilot und Passagier und wie ich mit den G-Kräften zu recht komme.

Kurze Absprache mit dem Piloten was ich fliegen bzw. was er mir zeigen will und dann ging es raus zum Flieger. 
Der Schleudersitz wurde auf mein Gewicht eingestellt und dann durfte ich mit weichen Knien und flauem Magen einsteigen!
Nachdem mir die Gurte von der Bodencrew angelegt worden sind, bekam ich noch eine Einweisung auf das Cockpit - und dann ging es auch schon los.
Der Schleudersitz wurde entsichert und das Canopy geschlossen, jetzt wurde das Cockpit doch bedruckend eng.

Kurz darauf startete der Pilot das Triebwerk, ein letzter Check der Lande- und Bremsklappen und schon ging es raus zur Startbahn. "MP3 Startup-Sound"



Mit donnerndem Triebwerk ging es über die Startbahn und wir hoben nach ca. 500m sanft ab. Der Pilot beschleunigte auf 400 km/h und drehte mit einer links Kurve zurück zur Airbase. Dort machten wir einen low pass in Baumhöhe direkt über den Hangar hinweg. Nach kurzem Anflug zu unserem zugewiesenem Luftraum begann der Pilot mit seinem Programm. Wir flogen mehrere
ein-, zwei- und dreifach Rollen, Split-S, Drei-Seiten Rolle auf beide Seiten und einen kurzen Rückenflug. Nachdem wir einige Wolken umkreist hatten, beschleunigte der Pilot auf 500 km/h für den ersten Looping. Beim Einleiten in den Looping drückt es mich mit 4,5G in den Sitz, die Arme wurden schwer und mein Gesicht  in die Länge gezogen.
Gleich darauf ein zweiter halber Looping, den der Pilot mit einer dreifach Rolle zurück Richtung Erde abschloss. Der Pilot teilte mir mit, daß er in einer Spiralkurve die G`s langsam erhöhen wird. Die Muskeln sind angespannt und ich schaffe über 5G etwa 30 sec. lang. Danach ließ er mich das Steuer der L-39 übernehmen und durfte einige Rollen und zwei 360° turns fliegen. Nach etwa 25 Minuten flogen wir in Wolkenhöhe zurück nach Líně. Zum Schluss ging es mit einem Sinkflug aus 1000m und über 600km/h in Richtung Airbase. In ca. 50m über der Runway riß der Pilot die Nase mit 5,5G wieder in den Himmel und flog eine Victoryrolle zum Abschluss. 

Jetzt ging der Pilot in die Platzrunde und meldet sich beim Tower zur Landung an. Immer wieder Ansagen des Piloten zur Information für mich: "speedbrake; landing gear down; flaps down" und ich merke auch wie die L-39 mit abnehmender Geschwindigkeit unruhiger wurde. Nach 30 Minuten landeten wir wieder sanft in Pilsen/ Líně.

Durchgeschwitzt und mit einem großen Grinsen steige ich aus dem Jet.

Nur Maxi ließ das ganze Spektakel völlig kalt!

 

Ein großes Dankeschön an Pavel Pichal, seine Piloten und der ganzen Bodencrew!
Organisiert wurde der Flug von Herrn Philipp Schär von MiGFlug & Adventure GmbH www.MIGFLUG.com

Gruß Andy
 

Technische Daten der L-39 Albatros

Triebwerk: Iwtschenko Progress AI-25-TL
Schubkraft: 16,87 kN (1.720 Kilopond)
Länge: 12,13 m
Spannweite: 9,46 m mit äußeren Tanks
Höhe: 4,77 m
Flügel fläche: 18,8 m²
Leergewicht: 3.400kg/ 7400 lb
max. Startgewicht: 5670 kg/ 12500 lb
Höchstgeschwindigkeit: 700 km/h in Meereshöhe
Höchstgeschwindigkeit: 750 km/h / 405 kts in 5.000 m
Stall speed 85 kts / 158 km/h
Takeoff run 540m / 1800 ft
Landing run 540m / 1800 ft
Reichweite: 840 km
G-Belastung von bis zu +8/- 4G
Anfangssteiggeschwindigkeit: 22 m/s
max. Flughöhe: 11.500 m

Die Aero L-39 Albatros wird als Strahltrainer, taktisches Aufklärungsflugzeug und leichtes Erdkampfflugzeug genutzt. Der Jet wird vornehmlich als Trainingsjet zur Schulung auf größere Maschinen, wie zum Beispiel die MiG-29 Fulcrum, eingesetzt. Die L-39 findet aber auch immer noch in einigen Luftwaffen der Welt als leichtes Angriffsflugzeug zur Luft- Boden- Kampfeinsätze oder als taktischer Aufklärer Verwendung. Seit der Indienststellung im Jahr 1971 wurden inzwischen über 2.800 Jets in unterschiedlichen Varianten gebaut. Die L-39 Albatros ist ein moderner Jet-Trainer derselben Generation wie die F-14 Tomcat oder MiG-23 Flogger.